Weniger Einsätze wegen Verkehrsunfällen

Weniger Verkehr, weniger Stau – und weniger Unfälle: Im Zuge der Corona-Beschränkungen ist auf den Straßen deutlich weniger los als sonst. Das wirkt sich auch auf die Einsatzzahlen der Rettungsdienste und Feuerwehren aus. Die haben in Corona-Zeiten zumindest an dieser Front etwas mehr Luft, arbeiten dafür aber in anderen Bereichen unter erschwerten Bedingungen.

Während sich im März die Anzahl der Verkehrsunfälle im Bereich der Rettungswachen Leutkirch, Isny und Bad Wurzach noch auf demselben Niveau wie in den Monaten zuvor befand, sieht das diesen Monat schon anders aus, berichtet der Rettungsdienst Oberschwaben-Bodensee des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Wenn wir den April hochrechnen, so kommen wir etwa nur auf die Hälfte der Menge: etwa 15 Einsätze pro Monat sind im Durchschnitt zu verzeichnen“, erklärt eine Sprecherin des Rettungsdienstes auf SZ-Anfrage.

Ein Drittel weniger Einsätze

Insgesamt verzeichne der Rettungsdienst des DRK – der mit der Durchführung des öffentlichen Rettungsdienstes und dem Betreiben der Integrierten Leitstelle Bodensee-Oberschwaben sowie der dazugehörigen Verwaltung beauftragt ist – aktuell ein um etwa ein Drittel niedrigeres Einsatzniveau als sonst. „Auch wollen viele Patienten zwar Hilfe, aber am liebsten nicht ins Krankenhaus“, sagt die Sprecherin. Zwar frage man die Patienten in diesen Fällen nicht explizit nach den Gründen für diesen Wunsch, so die Sprecherin, aber es dürfte ihrer Meinung nach auf der Hand liegen, „dass einerseits niemand unnötig zur Last fallen will und andererseits die Angst vor dem Virus eine Rolle spielt.“

Ihre Aufgabe sei es derzeit, sich an die wechselnden Vorgaben und die Änderungen der strategischen Phasen anzupassen und dabei alle Mitarbeiter mitzunehmen, erklärt die Sprecherin mit Blick auf die besonderen Herausforderungen in der Corona-Krise. „Mitarbeiter, welche zur Risikogruppe gehören, versuchen wir derzeit nicht einzusetzen, sofern sie es nicht ausdrücklich wollen. Wir schonen personelle Ressourcen, solange es geht. Es wurden zusätzliche Dienststellen eingerichtet, um in kleineren Gruppen arbeiten zu können und so das Infektionsrisiko zu minimieren“, verdeutlicht sie.

Aufwendige Beschaffung von Schutzmaterial

Die Zusammenarbeit mit den Landkreisen und den Führungsstrukturen des gesamten DRK und der Polizei sei derzeit sehr konstruktiv. „Viel Zeit nimmt die Beschaffung von Schutzmaterial in Anspruch, aber wir sind gut gerüstet. Ansonsten gilt: Auch unsere Mitarbeiter haben noch keine Pandemie erlebt. Die psychische Anspannung ist uns auch gegeben – dienstlich wie privat“, betont die Sprecherin.

Auch bei der Feuerwehr macht sich das reduzierte öffentliche Leben bemerkbar, erklärt Leutkirchs Kommandant Michael Klotz. Die Zahl an Einsätzen sei insgesamt stark gesunken. „Die Abstände zwischen den Einsätzen sind viel größer. In den vergangenen vier Wochen war so gut wie gar nichts mehr“, berichtet er. Auffällig sei vor allem, dass die Feuerwehr zu viel weniger sogenannten „technischen Einsätzen“, also Verkehrsunfällen, gerufen wird. Eine positive Folge davon, dass derzeit auf den Straßen weniger Verkehr herrscht.

Weniger Kleinbrände als gedacht

Dadurch, dass es auch in mehreren Betrieben ruhiger als sonst ist, kommt es in diesem Bereich zu weniger Fehlalarmen als in „normalen“ Zeiten, so Klotz. Die Einsätze der vergangenen Wochen seien „eher Kleinigkeiten“ gewesen, etwa eine Ölspur auf der Straße oder der Brand einer Markise. „Ich dachte eigentlich, dass in dieser Situation die Kleinbrände zunehmen, weil viele Leute daheim sind. Aber das ist bisher nicht der Fall“, sagt der Kommandant.

Problematisch sei dagegen, dass durch die angeordneten Sicherheitsmaßnahmen derzeit auch keine Übungen stattfinden – und der Ausbildungsbetrieb eingestellt worden ist. „Das muss irgendwann stattfinden. Wir wissen zwar noch nicht, wie wir es dann machen, aber die jungen Feuerwehrleute müssen ausgebildet werden“, betont Klotz.

Feuerwehr bisher stets voll einsatzfähig

Wie bei allen Verbänden und Vereinen müssen außerdem auch Versammlungen ausfallen. Neben der Hauptversammlung der Stadt ist davon auch die große Feuerwehr-Versammlung des Landkreises betroffen, wo jeweils Wahlen vorgesehen waren. Positiv, so Klotz, ist, dass sich offensichtlich bisher keiner seiner Leutkircher Kameraden mit dem Virus infiziert hat. Zwar habe es den einen oder anderen Verdachtsfall gegeben, aber keine bestätigte Infektion. Die Wehr war deswegen stets voll einsatzfähig, bekräftigt Klotz.

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