Plakat soll Gaffer abschrecken

Vor Ort zum Einsatz gekommen sind die beiden Plakate noch nicht. Doch die Freiwillige Feuerwehr Leutkirch will in Zukunft bei schweren Unfällen dafür sorgen, dass während der Rettungsarbeiten sogenannte Gaffer nicht zu viel mitbekommen. „Es geht auch darum, die Opfer und die Hilfskräfte zu schützen“, sagt der Leutkircher Kommandant Michael Klotz. Am Mittwoch zeigte er zusammen mit Gerätewart Markus Zeh eines der beiden neu angeschafften Plakate vor dem Leutkircher Feuerwehrhaus.

Neugier? Anteilnahme? Sensationsheischerei? Unter dem Begriff des Gaffens bei Unfällen oder Katastrophen finden sich viele mögliche Motive dafür, dass Rettungskräfte nicht immer nur jene Aufgaben unter zum Teil hohem persönlichen Einsatz leisten, die von ihnen erwartet werden, sondern immer auch im Blickpunkt von Beobachtern stehen. Zuletzt, am Sonntag nach einem schweren Unfall auf der B 32 bei Wangen, gab es besonders geharnischte Klagen über Gaffer. Sechs Personen waren bei einem Frontalzusammenstoß schwer verletzt worden. Von einem nahen Hügel aus hätten viele Neugierige die Arbeiten beobachtet, fotografiert und auch gefilmt, bis die Polizei in diesem krassen Fall sogar Platzverweise aussprach. Unmittelbar behindert worden seien die Rettungsarbeiten allerdings nicht.

„Fünfer-Reihen“

Auch Michael Klotz von der Leutkircher Wehr berichtet, dass seine Einsatzkräfte zuletzt durch Gaffer zumindest irritiert worden seien. Bei einem Unfall auf der L 318 nahe Urlau am Abend des 15. August seien Neugierige, so schildert er die Beobachtungen, „in Fünfer-Reihen“ gestanden, als noch die Bergungsarbeiten andauerten. Zwei Personen wurden bei diesem Unfall schwer verletzt, die Feuerwehr musste schweres Gerät einsetzen. An diesem Tag fehlten aber noch die neuen Plakate, die für die Leutkircher Wehr von einer örtlichen Firma gestaltet worden sind, im Sortiment der Einsatzfahrzeuge. „Zupacken statt zuschauen“ ist darauf zu lesen.

Michael Klotz stellt klar, dass bei einem Einsatz im Vordergrund steht, im Verbund mit Polizei oder Rotem Kreuz Opfer zu versorgen und erste Ermittlungen über die Ursachen einzustellen. An jenem Abend bei Urlau aber, 13 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz, hätte im weiteren Verlauf durchaus eines der Transparente ausgerollt werden können. Klotz, der durch die Berichterstattung über ähnliche Initiativen auf diese Art von Appell aufmerksam geworden ist, will bei Bedarf daran erinnern, dass die Sensationsgier an Grenzen stößt. Nach dem Unfall auf der B 32 bei Wangen hat auch die Polizei darauf hingewiesen, dass der Schutz der Betroffenen ein höheres Gut sei als der Drang, in Zeiten der schnellen Verbreitung von Nachrichten über soziale Netzwerke und andere Kanäle hohe Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Bilder für eigene Dokumentation

Nun befindet sich auch die Leutkircher Feuerwehr in einer Art Zwickmühle. Generell fertigt sie bei Einsätzen sowohl für die eigene Dokumentation als auch für die Öffentlichkeitsarbeit Bilder an. Sie stellt diese nach der Rettungsarbeit auf der eigenen Internet-Plattform als Nachweis ihrer Aktivitäten ins Netz. Die Zahl der Motive aber sei beschränkt. „Wir wollen Unfälle nicht noch mehr herausstellen“, sagt Klotz. Die Zurückhaltung sei in Kommentaren schon kritisiert worden. „Die Leute wollen immer mehr sehen.“ Das deckt sich durchaus auch mit den Beobachtungen von Medien wie der „Schwäbischen Zeitung“. Die Berichterstattung über Unfälle übt besondere Anziehungskraft aus.

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