Leutkirch ist vor Hochwasser „sehr gut geschützt“

Wegen der starken Niederschläge der vergangenen Tage ist das Wasser der Eschach diesen Montagmittag teilweise in das Hochwasserrückhaltebecken in Urlau geleitet worden. Eine Maßnahme, mit der vor allem die Leutkircher Innenstadt geschützt wird – und die in den letzten Jahren immer wieder nötig geworden ist.
 
Hochwasser? Pegel der Eschach „noch nicht dramatisch“
 
„Die Innenstadt hätte ansonsten schon des Öfteren unter Wasser gestanden“, betont Leutkirchs Feuerwehrkommandant Michael Klotz die enorme Bedeutung des Hochwasserrückhaltebeckens bei Urlau.
 

 

Obwohl es durch Wetterextreme, wie starke Niederschläge in relativ kurzer Zeit, nach seiner Einschätzung immer häufiger zu solchen Gefahrensituationen komme, sei die Leutkircher Kernstadt vor Hochwasser „sehr gut geschützt“. Deswegen war er auch am Montag trotz des hohen Pegels, mit dem die ansonsten so ruhig dahinplätschernde Eschach durch Leutkirch fließt, entspannt.

So begleitet die Feuerwehr steigende Pegelstände

An die Situation im Mai des vergangenen Jahres erinnert sich auch Klotz. Wobei dort vor allem der Dorfbach in Winterstetten kurz vor dem Überlaufen gewesen sei.

Seither habe es keine kritische Situation mehr gegeben. Generell behalte die Feuerwehr die Situation immer dann genauer im Blick, wenn der Pegel bei Friesenhofen über 120 Zentimeter angestiegen ist. Steigt der Pegel weiter, machen sie sich vor Ort ein Bild, sprechen mit den Bauhof-Mitarbeitern am Rückhaltebecken und fahren die kritischen Punkte ab, erklärt Klotz.

Regierungspräsidium ist zuständig

Die Kontrolle über das Rückhaltebecken hat das Regierungspräsidium Tübingen. Das liegt daran, dass die Eschach das einzige Gewässer auf Leutkircher Gemarkung ist, für das nicht die Stadt zuständig ist, wie Leutkirchs Umweltbeauftragter Michael Krumböck erklärt.

Wann das Wasser der Eschach in das Becken abgeleitet wird, liegt am Abfluss, also der Wassermenge, die die Eschach in einer bestimmten Zeit transportiert, erklärt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums. „Entsprechend der Betriebserlaubnis für das Hochwasserrückhaltebecken Urlau wird ab einem Abfluss von mehr als 15 Kubikmetern pro Sekunde der darüber hinausgehende Abfluss in das Hochwasserrückhaltebecken Urlau umgeleitet“, so die Sprecherin.

Das Regierungspräsidium kontrolliere die Abgabe am Pegel Urlau und am Pegel oberhalb Urlau, um das Becken zu steuern. „Der Pegel oberhalb Urlau liegt direkt unterhalb des Beckeneinlaufes, beim Pegel Urlau trägt noch der Missener Bach mit zum Abfluss bei“, erklärt die Sprecherin.

Ab 15 Kubikmeter pro Sekunde wird umgeleitet

Steigt der Pegel der Eschach an, sind bereits vor der Marke von 15 Kubikmeter pro Sekunde Mitarbeiter des Bauhofs Urlau vor Ort. Und zwar ab einem Wasserstand von 95 Zentimeter am Pegel Friesenhofen, was einem Abfluss von etwa acht Kubikmeter pro Sekunde entspricht. Dann beobachten sie die Situation und kontrollieren den Abfluss. Auch in der Nacht von Sonntag auf Montag waren Mitarbeiter des Bauhofs Urlau ab etwa 3.30 Uhr vor Ort, sagt die Sprecherin.

In den letzten zehn Jahren kam es laut Regierungspräsidium jedes Jahr im Schnitt ein- bis viermal zu der Situation, dass der Abfluss der Eschach so hoch war, dass das Rückhaltebecken geöffnet worden ist.

„Im letzten Jahr hatten wir einen großen Einstau im Mai, ansonsten waren wir drei Mal kurz davor, das Becken einzustauen, der Abfluss blieb dann aber knapp unter 15 Kubikmetern pro Sekunde“, so die Sprecherin. Ausschlaggebend für den Pegel der Eschach ist, wie viel Niederschlag es in der Adelegg gibt, beziehungsweise wie viel Schnee dort schmilzt.

In das Rückhaltebecken passt rund eine Million Kubikmeter Wasser. Sollte das Rückhaltebecken komplett gefüllt sein, läuft das Wasser automatisch in das Taufach-Fetzachmoos. Das sei bei den großen Hochwassern 1999, 2005 und 2013 der Fall gewesen.

 

Bericht SZ vom 05.02.2020; Bild: Tobias Schumacher

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