Herausforderung Altstadt

Die Feuerwehren in Leutkirch, Isny und Wangen kämpfen mit Tücken

Die Altstädte von Wangen, Leutkirch und Isny werden von vielen Touristen bewundert und von Einwohnern hoch geschätzt. Doch was für die einen schön ist, stellt andere vor große Herausforderungen. Denn wer denkt schon beim Anblick der pittoresken Häuser in den schmalen Gassen und besonders beim Falschparken daran, wie die Feuerwehr dort einen Brand bekämpft?

LEUTKIRCH / WANGEN / ISNY – „Die ganze Altstadt ist eine einzige kritische Stelle, ein Einsatz dort hat Tücken“, sagt Wangens Feuerwehrkommandant Christoph Bock und meint damit nicht nur die zusammenstehenden, verwinkelten alten Gebäude, bei denen Flammen schnell von einem Haus aufs andere übergreifen können. Bock denkt beim Stichwort „Einsatzort Altstadt“ besonders auch an die Falschparker in den schönen, aber engen Gassen, die einen Einsatz mitunter um wichtige Minuten verzögern.

Feuerwehrfahrzeuge benötigen schon alleine wegen ihrer Größe mehr Platz. Und eine Drehleiter, von der aus wirkungsvoll gearbeitet werden soll, kann nicht überall aufgestellt werden. „Wenn Gefahr im Verzug ist und jede Minute zählt, räumen wir die Autos eben beiseite“, erklärt Isnys stellvertretender Kommandant Lukas Pfeiffer zu dieser Problemstellung. Dazu haben die Isnyer Wehrleute spezielle Rollen, die unter Autos angebracht werden, damit diese schnell beiseite geschafft werden können. Meist gilt: ein Schaden, der einen größeren Schaden verhindert, muss hingenommen werden. „Es kommt auch vor, dass da schon mal eine Autoscheibe eingeschlagen wird, um Platz zu schaffen“, so Pfeiffer.

 

Damit sie für Einsätze wie im Seniorenwohnheim Altes Kloster jüngst (kleines Foto) in der Altstadt gerüstet sind, übt die Leutkircher Feuerwehr ebenso wie die Kollegen der Nachbarstädte regelmäßig dort.

Das war nun jüngst beim Einsatz der Leutkircher Feuerwehr in der Seniorenanlage im Alten Kloster nicht nötig. Doch gerade bei Pflegeeinrichtungen oder Gebäuden, in denen sich viele Menschen zum gleichen Zeitpunkt aufhalten, gelten für die Rettungskräfte schwierige Bedingungen – ganz besonders wenn ein solches Gebäude in der Altstadt steht. Beim Einsatz im Alten Kloster betrat die Leutkircher Wehr kein unbekanntes Terrain. „Wir sind natürlich mit dem Areal vertraut“, sagt Martin Waizenegger, stellvertretender Leutkircher Feuerwehrkommandant. Schließlich finden in diesem Teil der Altstadt regelmäßig Übungen statt. Natürlich proben auch die Wehren von Isny und Wangen immer wieder in den engen Gassen und an alten Häusern ihrer Städte.

„Ortskenntnis ist wichtig“, betont Waizenegger. So kann nämlich der Einsatzleiter schon beim Alarm von Brandmeldeanlagen oder bei Anrufen Betroffener in Sekundenschnelle die Gefahrenlage abschätzen und gegebenenfalls Rettungskräfte von den anderen altstadterfahrenen Feuerwehren der Nachbarstädte sowie deren Drehleitern hinzurufen.

Der letzte große Brand in Wangen ist vier Jahre her. Damals stand eines der ältesten Gebäude Wangens, das Thiermannhaus an der Ecke Schmiedstraße/Trinklaube in Flammen. Ein Nachbar hatte nachts ein Knistern bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Die konnte mit einem Großaufgebot verhindern, dass das alte Haus völlig niederbrannte beziehungsweise das Feuer auf Nachbarhäuser übergriff.

Brandschutzwände, Rauchmelder und Brandmeldeanlagen sind wichtige Schutzengel für Altstädte und ihre Bewohner. „Unschätzbar sind auch aufmerksame Nachbarn“, sagt Christoph Bock im Hinblick auf den Thiermannhaus-Brand. Er spricht den Feuerwehrkollegen der anderen Städte aus dem Herzen, wenn er sagt. „Lieber fahren wir einmal zu viel rein, weil es ein Fehlalarm war, als dass Schlimmeres passiert.“

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