Gefahrgutzug Allgäu bei der Herbstübung

Isny-Burkwang im Ausnahmezustand

Auf den ersten Blick erscheint die Situation, die sich auf dem Kiesparkplatz in Burkwang inszeniert wurde, relativ unspektakulär: Ein Pkw ist seitlich in einen Sattelzug geprallt und bunter Rauch steigt auf.

Der Fahrer des Sattelzuges ist bewusstlos, Der PKW-Fahrer liegt verletzt in seinem Sitz, eine Person verlässt unter Schock den Unfallort. Ein klassischer Verkehrsunfall wie er jeden Tag vorkommen kann, und in vielen Fällen die Feuerwehr auf den Plan ruft.

Doch aufgrund des abgesetzten Notrufes, der besagt, dass sich an Bord des Sattelzuges Chemikalien befinden und mindestens ein Behälter beschädigt ist, wird von der Rettungsleitstelle Bodensee-Oberschwaben der Gefahrgutzug Allgäu alarmiert.

Die Einsatzkräfte aus Isny, Leutkirch und Bad Wurzach rücken aus. Auch Chemiefachberater aus Kisslegg werden angefordert.

Durch die unterschiedlich langen Anfahrtswege treffen die verschiedenen Feuerwehren zeitversetzt am Unfallgeschehen ein.

Eine Stunde später bietet sich an der vermeintlichen Einsatzstelle ein völlig anderes Bild:

Überall blinkende Blaulichter. Achtzehn Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und DRK umgeben inzwischen die großräumig abgesperrte Einsatzstelle. Etwa siebzig Einsatzkräfte sind vor Ort. Scheinwerfer leuchten das Unfallgeschehen aus. Die Chemiefachberater des Landkreises fragen an den Einsatzleitwagen die Daten der vorgefundenen Chemikalien ab und beraten sich mit den verschiedenen Abschnittsleitern über die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen. Ausschließlich Männer in Chemie-Vollschutzanzügen (CSA) und Atemschutzgeräten betreten und arbeiten im abgesperrten Bereich. Sie befreien die Verletzten, die im Anschluss in der aufgebauten Dekontaminationsstelle gereinigt und den Kräften des DRK übergeben werden. Anschließend müssen die an Bord des Sattelzuges befindlichen Behälter mit Gefahrstoffen gesichert werden. Eine sehr schweißtreibende Arbeit trotz des zwischenzeitlich einsetzenden Regens. Den Männern ist nach ihrer Arbeit die körperliche Anstrengung ins Gesicht geschrieben, und die Kollegen vom DRK, die sie danach in Empfang nehmen, wachen mit prüfenden Blicken bei allen über die Vitalwerte und versorgen sie mit ausreichend Flüssigkeit.

Nach zweieinhalb Stunden ist der Spuk vorbei. „Zum Abmarsch fertig“ lautet der letzte Befehl, der an diesem Abend gegeben wird. Dann wird alles wieder zusammengepackt und aufgeräumt, um sich im Feuerwehrgerätehaus in Isny eine wohlverdiente Brotzeit zu genehmigen.

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