Dr. Frank Knödler zu Gast im Landkreis Ravensburg

„Mir müsset doch gucken, ob mir da oben no richtig ticket“


Mit diesen Worten begründete Dr. Frank Knödler, der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes von Baden-Württemberg, seinen Besuch am vergangenen Mittwoch beim Kreisverbandsausschuss des Landkreises Ravensburg, der diesmal im
Feuerwehrgerätehaus Bad Wurzach stattfand.
Nach ein paar einführenden Worten vom Verbandsvorsitzenden Michael Otto begrüßte zunächst der ebenfalls anwesende stellvertretende Bürgermeister Klaus Schütt den hohen Gast und überreichte ihm ein kleines Gastgeschenk. Danach wurde Dr. Knödler in einer kleinen Präsentation das Aufgabengebiet der freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Ravensburg, dem zweitgrößten Landkreis Baden-Württembergs näher vorgestellt.
Auf rund 280.000 Einwohnern fallen hier 3400 Feuerwehreinsatzkräfte, die im Schnitt 2440 Einsätze pro Jahr bewältigen. Dies geschieht zu 100% im Ehrenamt. Außerdem weist der Landkreis Ravensburg mit 12 verschiedenen Spezialgebieten die höchste Fachberaterdichte in ganz Baden-Württemberg auf.
Präsident Dr. Knödler zeigte sich sichtlich beeindruckt angesichts dieser Zahlen und versprach, künftig wieder mehr mit den Feuerwehren an der Basis in Dialog zu treten. Ihre Sorgen und Nöte seien ihm sehr wichtig. Eines seiner Ziele sei es, in einem 5-Jahres- Zyklus die Freiwilligen zu besuchen, „um zu gucken, ob wir da oben eigentlich noch richtig ticken.“ –
Im Sinne der Feuerwehren.
In der anschließenden Diskussion mit den anwesenden Verbandsmitgliedern äußerte sich Kreisbrandmeister Oliver Surbeck besorgt, dass die Städte und Gemeinden sich sehr wenig um die Zuschussgelder kümmern, die dringend von den Feuerwehren benötigt werden um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Und das obwohl die Gemeinden in der Pflicht stehen eine funktionierende Feuerwehr zu unterhalten, und es schließlich in ihrem eigenen Interesse sein sollte, Zuschüsse aus der sogenannten Z-feu zu erhalten. Hier werden Gelder bereitgestellt, die die Kommunen bei dieser Aufgabe finanziell unterstützen sollen. Diese finanziellen Mittel stehen jedoch nur begrenzt zur Verfügung. Wer also die Dringlichkeit und Notwendigkeit einer feuerwehrtechnischen Anschaffung nicht mit Nachdruck verfolgt, kann auch leer ausgehen und muss im ungünstigsten Fall eine große Finanzierungssumme aus der eigenen, kommunalen Tasche bezahlen.

Dr. Knödler räumte ein, dass er diesen Eindruck von Desinteresse seitens der Kommunen teilt. Die jährlich zur Verfügung stehende Summe aus der Z-feu sei zwar „stabil aber bei Weitem nicht genug“, und angesichts steigender Anfragen stehe für die einzelnen Anträge immer weniger Geld zur Verfügung. Er äußerte auch sein Bedauern darüber, dass selbst auf politischer Ebene die Wertschätzung der Feuerwehren sehr zu wünschen übriglässt. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass im Landesfeuerwehrverband die Freiwilligkeit der Feuerwehren stark forciert wird, und durch eine geplante landesweite Werbekampagne mit regionalen Teilen versucht werde den Feuerwehren den Rücken zu stärken und Mitglieder zu werben. Aber auch hier sei es leider so, dass die Politik der Meinung sei, Werbung sei überflüssig, da sich die Mitgliederzahlen bei den freiwilligen Feuerwehren auf einem stabilen Niveau bewegen.


Ein weiteres Thema des Abends waren die unbefriedigenden Zustände an der neu erbauten Landesfeuerwehrakademie in Bruchsal. Früher Anlaufpunkt eines jeden Feuerwehrmannes zur Ausbildung in den wichtigsten Feuerwehrthemen, werden heute praktisch nur noch spezielle Fachlehrgänge und Seminare angeboten. Für die Feuerwehr wichtige Lehrgänge wie die Ausbildung in der technischen Hilfe, Drehleiterlehrgänge, Gruppenführer, Zugführer und vieles mehr werden gar nicht
ausgeschrieben, sind mit langen Wartezeiten verbunden, oder werden ersatzlos gestrichen. Aber selbst wenn man bei einer erfolgten Ausschreibung eines Kurses sich noch am gleichen Tag anmelden will, erhält man oftmals postwendend eine Absage, da die Anzahl der Plätze als auch die Anzahl der angebotenen Lehrgänge in keinem Verhältnis zum Bedarf
stehen. So werden der Feuerwehr nach und nach ihre Multiplikatoren ausgehen, die das erlernte Wissen an ihre Kameraden weitergeben können und müssen. Zu diesem Thema gab sich Dr. Knödler erstaunt: In dieser Deutlichkeit sei ihm dieses
Problem mit den Lehrgängen noch nie vor Augen geführt worden. Durch seinen Status als Chef der Berufsfeuerwehr Stuttgart darf er seine Ausbildungen selbst durchführen und kommt somit nicht in die Verlegenheit von den Wartezeiten der Akademie ausgebremst zu werden. Er persönlich empfinde den Standort Bruchsal als eine „strategische Fehlentscheidung“. Schon allein wegen der Entfernung zum Rest vom Ländle. Und er befürworte die Überlegungen, im gesamten Land Baden-Württemberg kleinere regionale Ausbildungszentren für Fachthemen zu errichten.
Auch wenn dies schon wieder a Gschmäckle hat: Denn diese Ausbildungszentren müssten wieder auf dem Rücken der freiwilligen, ehrenamtlichen Feuerwehrmänner und -frauen getragen werden. Aber das endgültige Wort sei hier noch nicht gesprochen. Zum Abschluss der Verbandssitzung, bei dem auch ein Gruppenfoto mit allen Anwesenden nicht fehlen durfte, gab Dr. Knödler noch einen kurzen Ausblick auf die aktuellen Themen im Landesfeuerwehrverband und bedankte sich für die konstruktiven Gespräche.

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