Ein kantiger, ein hoch geschätzter Polizist

Besonders bedankte er sich aber auch bei den Vertretern von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Johannitern

Der Leutkircher Revierleiter Anton Kempter wird im Bocksaal in den Ruhestand verabschiedet

Leutkirch sz Anton Kempter, seit 21Jahren Leiter des Polizeireviers Leutkirch, ist am Donnerstag während einer Feierstunde im Bocksaal in den Ruhestand verabschiedet worden. Viel Lob hat der 60-Jährige gebürtige Leutkircher gehört. „Das macht mich verlegen.“ Denn er war ja nicht immer ein einfacher Beamter. „Ich weiß, wie eckig und kantig ich bin, aber ich bin es gerne.“

Die Replik musste sein. Schließlich hatte der Personalratsvorsitzende Siegfried Traub unumwunden in einer „Klartextrede“ geschildert, dass es in der Zusammenarbeit mit dem eigenwilligen Anton Kempter durchaus zu heftigen Diskussionen gekommen sei. Macht man so etwas, wenn einer nach 40 Jahren aus dem Polizeidienst in den Ruhestand verabschiedet wird? Im Falle Anton Kempters empfanden das die Gäste nicht als späte Rüge. Im Gegenteil. Anton Kempter führte selber aus, dass sein Stil eben nicht immer zu Geschäftsverteilungsplänen, zur reinen Lehre des „Polizeigebetbuchs“ passte. Manche seiner Ideen waren allerdings so gut, dass sie in Polizeilehrbücher übernommen worden sind.

Kempter hielt eine sehr persönliche Rede. Auch eine politische. Als er 1975 bei der Polizei begann, gehörte der RAF-Terror zum Alltag. „Heute ist es der IS-Terror.“ Vor 40 Jahren habe die Polizei über zu wenig Personal und zu wenig Geld geklagt. „Heute ist es nicht anders.“ Die Polizeireform habe Bewährtes abgeschafft, „aber alles Neue hatten wir schon mal“. Er berichtete über die Momente, wenn er Todesnachrichten überbringen musste. Wenn er, der Polizist, zu trösten hatte. Solche Erlebnisse hinterlassen Spuren: „40 Jahre als Polizist verändern einen Menschen – in seinem Charakter, in seinem Denken“, sagte Kempter.

Nun steht das Leutkircher Revier in einem besonders guten Ruf. Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle bezeichnete Kempter „als Glücksfall“ für die Stadt, weil dieser eben auch neue, andere Wege beschritten habe, etwa bei der Integrationsarbeit. Da sprach Henle ein Herzensanliegen Kempters an, der sich sowohl im Verein „Deine Power“ als auch im Projekt „Nashdom“ mit jugendlichen Spätaussiedlern stark einbrachte. Er half dabei mit, dass in beide Projekte fast 200000 Euro flossen.

Ekkehard Falk, der Leiter des Polizeipräsidiums Konstanz, hob in seiner Rede Kempters Einsatz dafür hervor, großen Wert auf Präventionsarbeit zu legen. Das gelte sowohl in seinem Spezialgebiet, der Verkehrssicherheit, das gelte aber auch für Kempters Kurs, intensiv mit Schulen oder mit Jugendlichen gemeinsam nach Lösungen zu suchen, um Kriminalität oder Ärgernisse gar nicht aufkommen zu lassen. „Ihre Tätigkeit war ihnen auf den Leib geschnitten.“ Kempters eigener Stil habe polizeiintern durchaus zu Frozzeleien geführt, die Leutkircher suchten die Unabhängigkeit zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Vor allem aber habe sich Kempter auch als langjähriger Führer einer Alarmhundertschaft vorbildlich für die Polizei eingesetzt.

„Es war mir eine Ehre, hier in Leutkirch Revierleiter zu sein“, erklärte Kempter. „Ich machte meine Arbeit so, wie ich dachte, dass sie richtig sei.“ Dabei habe er sich immer stark auf sein Personal verlassen können, „ich werde euch vermissen“. Besonders bedankte er sich aber auch bei den Vertretern von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Johannitern für das gute Zusammenspiel der sogenannten „Blaulichtfamilie“.

„Habe fertig. Danke“, sagte Kempter am Ende seiner Rede. Das Publikum klatschte gerührt. Das Polizeiorchester Konstanz intonierte einen flotten Marsch.

Ekkehard Falk, Chef des Polizeipräsidiums Konstanz, überreichte dem Leutkircher Revierleiter Anton Kempter im Bocksaal die Entlassungsurkunde. Herbert Beck

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