Gefahrguteinsatz: Säurebehälter droht zu bersten

  • Einsatz: 2019/021

Die Feuerwehren aus Leutkirch, Bad Wurzach, Kisslegg und Isny kommen einfach nicht zur Ruhe:
Nach dem sie nun seit Mitte letzter Woche im Dauereinsatz beim Schneeräumen, der Beurteilung von Schneelasten auf Dächern und dem Öl-Einsatz im Isnyer Sauweiher waren, wurde ihnen am heutigen Tag immer noch keine Ruhe vergönnt. Es erfolgte der nächste große Alarm:
Bei der Firma Milei in Leutkirch hat sich aus bisher ungeklärter Ursache ein Behälter, der mit 1000 l einer Säure, die als Desinfektionsmittel verwendet wird, von selbst stark erhitzt und dabei so aufgebläht, dass er drohte aufzuplatzen. Die integrierte Feuerwehr- und Rettungsleitstelle alarmierte daraufhin gegen 9.25 Uhr den Gefahrgutzug Allgäu. Die
beteiligten Feuerwehren aus Leutkirch, Isny und Bad Wurzach rückten daraufhin mit etwa fünfzehn Fahrzeugen mit speziellem Equipment und rund siebzig Einsatzkräften an.
Erschwert wurde der Einsatz durch die allgegenwärtigen Schneeberge und vorherrschende Glätte auf dem Firmengelände, die jedoch geistesgegenwärtig von Mitarbeitern der Firma abgestreut wurde. Als Sicherheitsmaßnahme wurde das Gebäude zunächst von der Feuerwehr geräumt. Danach wurde von Atemschutzgeräteträgern in Chemie-Vollschutzanzügen der Tank
vorsichtig belüftet, so dass ein Teil des Überdrucks entweichen konnte. An der stark überhöhten Temperatur, die teilweise bis auf über 80 Grad angestiegen war, änderte das aber kaum etwas. Parallel standen die beiden Chemie-Fachberater aus Isny und Kisslegg, die bereits am Montag die FF Isny beim Öleinsatz unterstützt hatten, per Telefon mit der Fa. Bayer in Leverkusen in Verbindung, um zu beraten welche Maßnahmen eingeleitet werden konnten.


Die größte Gefahr ging von weiteren Chemikalien aus, die im Umfeld des gefährdeten Tanks gelagert waren. So wurden weitere Gebinde mit Chemikalien aus dem Gefahrenbereich entfernt. Während in der Lagerhalle diese Maßnahmen liefen, wurde draußen die Dekontaminationsstelle aufgebaut, um die Einsatzkräfte in den Chemieschutzanzügen nach
ihrer Arbeit abwaschen zu können. Für diese Feuerwehrleute stand dann das DRK bereit, um nach deren Einsatzzeit im Gefahrenbereich ihre Vitalparameter zu prüfen. Eine Standard-Prozedur, da die Arbeit in Vollschutzanzügen den Körper schwer belastet. Ein Messtrupp der Feuerwehr Isny war währenddessen im Umkreis der Firma unterwegs um
Schadstoffmessungen der Luft vorzunehmen. Im weiteren Verlauf des Einsatzes wurde dann die Säure mit einer großen Menge Wasser verdünnt. Diese Maßnahme sorgte für ein rasches Absinken der Temperatur im Behälter, und die Säure konnte danach kontrolliert umgefüllt werden.
Im Verlauf des Einsatzes machte sich auch Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle vor Ort ein Bild der Lage. Nach rund vier Stunden konnte der Einsatz beendet werden. Die Polizei hat die Ermittlungen zur Schadensursache aufgenommen.

Zurück